Scroll Top

Mentions statt Klicks: Die neue KPI-Logik für B2B-GEO-Marketing

Executive Summary

  • Traffic war lange die zentrale Erfolgskennzahl im digitalen Marketing – doch diese Logik gerät ins Wanken.
  • KI-Search-Systeme verschieben die Sichtbarkeit von Websites hin zu generativen Antworten.
  • Erwähnungen in AI Overviews und KI-Antworten entwickeln sich zur neuen Währung der digitalen Präsenz.

Die stille Krise der Traffic-Logik

Über Jahre hinweg galt Traffic als Goldstandard im digitalen Marketing. Mehr Besucher bedeuteten mehr Sichtbarkeit, mehr Leads, mehr Umsatz. Dashboards, Reportings und Agenturmodelle wurden um diese Kennzahl herum aufgebaut. Auch im Automotive-B2B – bei Automobilzulieferern, Industrieunternehmen oder Aftermarket-Marken – dominierte diese Denkweise.

Doch diese Logik basiert auf einer Annahme: dass Nutzer klicken. Genau diese Annahme wird durch KI-Search-Systeme zunehmend infrage gestellt.

Wenn Antworten direkt in Google AI Overviews erscheinen oder innerhalb von ChatGPT dialogisch aufbereitet werden, entfällt der Klick. Informationen werden konsumiert, Marken werden wahrgenommen – aber die Website wird nicht besucht.

Traffic bleibt messbar. Sichtbarkeit hingegen verschiebt sich.

Warum Rankings nicht mehr die ganze Wahrheit erzählen

Klassische Suchmaschinenoptimierung zielt darauf ab, für bestimmte Keywords möglichst weit oben zu ranken. Doch KI-Systeme extrahieren Inhalte kontextuell – unabhängig von der reinen Position in der Trefferliste.

Ein Unternehmen kann für ein relevantes Keyword auf Platz 2 ranken – und dennoch in der AI Overview nicht erscheinen. Gleichzeitig kann eine weniger sichtbare Seite als Quelle zitiert werden, wenn ihre Inhalte strukturierter, präziser oder autoritativer sind.

Die Konsequenz ist tiefgreifend: Ranking und Traffic sind nicht mehr deckungsgleich mit Wahrnehmung.

Was sind „Mentions“ – und warum werden sie strategisch relevant?

Mentions sind Erwähnungen einer Marke oder eines Unternehmens innerhalb generativer Antworten. Sie entstehen, wenn KI-Systeme Inhalte zusammenfassen und dabei bestimmte Anbieter, Technologien oder Experten nennen.

Eine solche Erwähnung kann innerhalb von:

  • Google AI Overviews,
  • ChatGPT-Antworten,
  • Perplexity-Analysen oder
  • anderen KI-gestützten Recherchetools

stattfinden – häufig ohne direkten Website-Besuch.

Für B2B-Unternehmen im Automotive-Bereich bedeutet das: Die Marke kann Teil der Antwort sein, auch wenn kein Klick erfolgt. Sichtbarkeit wird damit entkoppelt vom Traffic.

Die neue KPI-Logik im B2B-Marketing

Wenn sich das Verhalten der Nutzer verändert, müssen sich auch die Kennzahlen verändern. Eine KPI-Logik, die ausschließlich auf Sessions, Seitenaufrufe oder Verweildauer fokussiert, greift in der Zero-Click-Future zu kurz.

Stattdessen gewinnen andere Fragen an Bedeutung:

  • Wird unsere Marke in generativen Antworten genannt?
  • Bei welchen Themen tauchen wir im KI-Kontext auf?
  • Wer wird stattdessen zitiert?

Diese Perspektive verschiebt den Fokus von kurzfristiger Performance hin zu struktureller Sichtbarkeit.

Besondere Relevanz für Automobilzulieferer

Automobilzulieferer agieren häufig im Hintergrund. Ihre Sichtbarkeit hängt stark von digitaler Wahrnehmung ab – insbesondere in frühen Recherchephasen. Wenn Entwicklungsingenieure oder Einkäufer KI-Systeme nutzen, um Marktüberblicke oder Technologievergleiche zu erhalten, entscheiden algorithmische Modelle, welche Anbieter erwähnt werden.

Wer dort nicht vorkommt, wird im Entscheidungsprozess potenziell nicht berücksichtigt.

Mentions werden damit zu einem strategischen Faktor für:

  • Vorauswahlprozesse (Pre-Selection),
  • Technologie-Evaluierungen,
  • Markenwahrnehmung im Innovationskontext.

Und was bedeutet das für den Automotive Aftermarket?

Im Aftermarket ist die Dynamik noch ausgeprägter. Werkstätten und Händler recherchieren problemorientiert: „Welche Bremsscheiben für sportliche Nutzung?“ oder „Wie rüste ich eine Anhängerkupplung korrekt nach?“

KI-Systeme liefern direkte Antworten – inklusive Produktempfehlungen oder Hersteller-Nennungen. Wer in diesen Antworten erscheint, gewinnt Wahrnehmung. Wer nicht erscheint, bleibt unsichtbar – selbst wenn die Website technisch optimiert ist.

Mentions werden hier zum Wettbewerbsvorteil.

Warum Traffic als alleinige KPI in die Irre führen kann

Ein Unternehmen kann steigenden Traffic verzeichnen – und dennoch in generativen Antworten kaum vorkommen. Umgekehrt kann die Website-Besucherzahl stagnieren, während die Marke in KI-Systemen zunehmend zitiert wird.

Die reine Betrachtung von Traffic blendet damit einen Teil der Realität aus. Sie misst Besuche – nicht Wahrnehmung.

Für strategische Entscheidungen im B2B-Marketing ist das riskant. Denn Investitionen werden weiterhin anhand von Traffic-Zielen bewertet, während sich die eigentliche Sichtbarkeit verschiebt.

Wie sich Mentions strategisch beeinflussen lassen

Mentions sind kein Zufallsprodukt. Sie entstehen dort, wo Inhalte strukturiert, thematisch konsistent und autoritativ aufgebaut sind. Entscheidend sind:

  • Klare inhaltliche Positionierung zu definierten Themenfeldern.
  • Strukturierte, semantisch saubere Inhalte.
  • Reputation über mehrere digitale Kanäle hinweg.

Das erfordert einen strategischen Ansatz, der über klassische SEO hinausgeht. Generative Engine Optimization (GEO) adressiert genau diese Herausforderung.

Der strategische Perspektivwechsel

Die entscheidende Frage im digitalen B2B-Marketing lautet künftig nicht mehr: „Wie viele Besucher hatten wir?“ Sondern: „Wo und in welchem Kontext werden wir genannt?“

Diese Verschiebung mag subtil erscheinen – sie ist jedoch fundamental. Sie verändert Reporting-Strukturen, Zieldefinitionen und Budgetentscheidungen.

Unternehmen, die frühzeitig beginnen, Mentions systematisch zu analysieren und zu optimieren, sichern sich strukturelle Vorteile im Wettbewerb um Aufmerksamkeit.

Fazit: Sichtbarkeit neu denken

Die digitale Sichtbarkeit im Automotive-B2B wird neu definiert. KI-Search-Systeme verändern die Mechanik der Informationsbeschaffung. Traffic bleibt relevant – aber er ist nicht mehr der alleinige Indikator für digitale Präsenz.

Mentions entwickeln sich zur strategischen Kennzahl. Sie zeigen, ob eine Marke Teil der Antwort ist – oder nur Teil der Trefferliste.

Wer diese Logik versteht und seine Inhalte entsprechend strukturiert, wird auch in der Zero-Click-Future sichtbar bleiben.

Über den Autor:

Moritz Nolte

Moritz Nolte ist Wirtschaftsingenieur und Content-Marketing-Experte für Automotive- und Technologie-Kommunikation.
Seit über 12 Jahren begleitet er Industrie- und Automotive-Unternehmen bei der strategischen Positionierung komplexer
technischer Themen. Als Gründer von ENGINE.MEDIA verbindet er technisches Verständnis mit der Konzeptionierung
und Umsetzung erfolgreicher Content-Marketing-Maßnahmen und strategischer Kommunikationsberatung.

KATEGORIEN