Früher haben Unternehmen Marken aufgebaut. Heute bauen Unternehmen Menschen auf. In einer Zeit von KI-generierten Inhalten, Werbeüberflutung und sinkendem Vertrauen in klassische Unternehmenskommunikation gilt eine neue Regel: Menschen schaffen Vertrauen. Marken profitieren davon. Corporate Ambassadors und Corporate Influencer sind deshalb kein Social-Media-Trend – sie sind ein strategisches Instrument der modernen Markenführung.
Was ist ein Corporate Influencer?

Ein Corporate Influencer ist eine Person innerhalb eines Unternehmens, die fachliche Inhalte öffentlich teilt und dadurch zur sichtbaren Stimme des Unternehmens wird.
Das können sein:
- Geschäftsführer
- CTOs
- Entwicklungsleiter
- Produktmanager
- Ingenieure
- Werkstattmeister
- Vertriebsleiter
Im Unterschied zu klassischen Influencern geht es hier nicht um Lifestyle oder Reichweite um jeden Preis – sondern um:
Expertise, Glaubwürdigkeit und Branchenautorität.
Warum Corporate Influencer heute so wichtig sind
1. Algorithmen bevorzugen Menschen
LinkedIn, YouTube oder Instagram priorisieren persönliche Accounts gegenüber Unternehmensseiten.
Ein Beitrag eines Experten erzielt oft ein Vielfaches der Reichweite einer Corporate-Seite.
2. Vertrauen entsteht über Personen
B2B-Entscheider folgen Experten – nicht Logos. Ein CTO liest eher die Einschätzung eines anderen CTO als eine Pressemitteilung.
3. KI-Suche bewertet Autorität
Im Zeitalter von KI-Search und Zero-Click-Ergebnissen werden Personen mit klarer Expertise häufiger zitiert und referenziert. Sichtbare Experten erhöhen damit die digitale Autorität ihres Unternehmens.
4. Recruiting & Employer Branding
Talente möchten wissen, mit wem sie arbeiten.
Sichtbare Fachkräfte machen Unternehmenskultur greifbar.
Corporate Ambassadors in verschiedenen Branchen
Corporate Ambassadors bei Automobilzulieferern
Automotive-Zulieferer arbeiten oft im Hintergrund.
Die Produkte sind hochkomplex – die Marken kaum sichtbar.
Ein Entwicklungsleiter, der über Fahrwerkstechnologie, Elektrifizierung oder Software-Integration spricht, schafft:
- Vertrauen bei OEMs
- Sichtbarkeit bei Fachmedien
- Glaubwürdigkeit in der Branche
Gerade im Wettbewerb um Innovationsführerschaft ist persönliche Expertise ein Differenzierungsfaktor.
Corporate Influencer im Automotive Aftermarket
Im Aftermarket entscheiden Werkstätten und Händler.
Hier zählt praktische Erfahrung.
Sichtbare Produktexperten oder technische Leiter können:
- Montagewissen teilen
- Produktneuheiten erklären
- Anwendungsfälle zeigen
- Vertrauen bei Werkstätten aufbauen
Das wirkt stärker als jede Anzeige.
Corporate Ambassadors im Maschinen- und Anlagenbau
Maschinenbau ist erklärungsbedürftig. Innovationen sind komplex.
Wenn Ingenieure oder Projektleiter über:
- Automatisierung
- Nachhaltigkeit
- Effizienzsteigerung
- Digitalisierung
sprechen, entsteht Thought Leadership.
Gerade im Mittelstand kann das internationale Sichtbarkeit erzeugen.
Corporate Influencer im Mittelstand
Mittelständische Unternehmen haben enorme Expertise – aber oft geringe öffentliche Präsenz.
Ein Corporate-Influencer-Programm kann:
- regionale Sichtbarkeit erhöhen
- Recruiting erleichtern
- Branchenposition stärken
- Vertrauen bei Kunden schaffen
Und das mit überschaubarem Budget.
Werden Corporate Influencer bezahlt?
In der Regel nicht im klassischen Sinne wie externe Influencer.
Es gibt drei Modelle:
- Keine zusätzliche Vergütung – Teil der Rolle
- Bonus- oder Incentive-Systeme
- Zeitliche Freistellung für Content-Aktivitäten
Entscheidend ist nicht primär Bezahlung, sondern strategische Einbindung und Wertschätzung.
Bekannte Beispiele für Corporate Influencer
Im deutschsprachigen Raum, aber auch international sind vor allem Führungspersönlichkeiten sichtbar:
- Joe Kaeser – ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Siemens, sehr sichtbar in öffentlichen Debatten
- Christian Klein – CEO von SAP, regelmäßig mit inhaltlicher Positionierung
- Tim Höttges – CEO von Deutsche Telekom, stark auf LinkedIn präsent
Im deutschsprachigen Raum gewinnen vor allem LinkedIn-aktive Geschäftsführer und Branchenexperten an Bedeutung. Ein Beispiel ist etwa Marco Gebhardt, Geschäftsführer des deutschen Mittelständlers Gebhardt Intralogistics Group: Sehr aktiv und mit knapp 25.000 Follower extrem reichweitenstark.
Wichtig: Es müssen keine globalen CEOs sein. Auch ein Entwicklungsleiter mit 5.000 hochrelevanten Followern kann enormen Einfluss haben.
Was ist ein Corporate-Influencer-Programm?
Ein Corporate-Influencer-Programm ist ein strukturiertes System zur Entwicklung interner Experten zu sichtbaren Branchenstimmen.
Es umfasst typischerweise:
- Strategische Positionierung
- Themenarchitektur
- Content-Planung
- Plattformstrategie (z. B. LinkedIn)
- Schulungen & Guidelines
- KPI-Tracking
Es geht nicht um spontane Postings – sondern um systematischen Aufbau von Autorität.
Wie setzt man ein Corporate-Ambassador-Programm um?
Schritt 1: Auswahl geeigneter Personen
Nicht jeder Mitarbeiter eignet sich.
Entscheidend sind:
- Fachkompetenz
- Kommunikationsfähigkeit
- intrinsische Motivation
Schritt 2: Positionierung
Jede Person braucht ein klares Themenfeld. Keine Beliebigkeit.
Schritt 3: Content-System
Regelmäßigkeit schlägt Perfektion.
Formate können sein:
- LinkedIn-Posts
- Fachartikel
- Videos
- Interviews
- Event-Auftritte
Nicht selten helfen dabei übrigens spezialisierte Agenturen, die sich auf Content Marketing spezialisiert haben. Häufig kümmern sie sich um die Erstellung von Redaktionsplänen und als Ghostwriter um die Produktion der entsprechenden Texte. Unter anderem machen auch wir so etwas.
Schritt 4: Governance & Guidelines
Klare Regeln schaffen Sicherheit.
Transparenz ist entscheidend.
Schritt 5: Erfolgsmessung
KPIs können sein:
- Reichweite
- Engagement
- Mentions
- Recruiting-Anfragen
- Leads
Weitere häufige Fragen
Wie lange dauert der Aufbau eines Corporate Influencers?
Realistisch sind 6–12 Monate bis zur nachhaltigen Sichtbarkeit.
Welche Plattform ist am wichtigsten?
Für B2B dominiert LinkedIn. Für technische Erklärformate kann YouTube relevant sein.
Gibt es Risiken?
Ja – ohne klare Guidelines können Fehlkommunikation oder inkonsistente Aussagen entstehen. Deshalb ist ein strukturiertes Programm essenziell.
Lohnt sich das für kleinere Unternehmen?
Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen kann persönliche Sichtbarkeit ein massiver Wettbewerbsvorteil sein.


